Mit dem Rad zu den Gärten von Trauttmansdorff

Südtirol ist ein Paradies für Fahrradfahrer – so sieht es jedenfalls die Travelbike-Radreiseanalyse 2019 von Travelbike und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Zum 20. Mal fragten das Online-Portal für E-Bikes und der Verkehrsclub für Fahrradfahrer in einer repräsentativen Online-Erhebung Deutsche nach ihren beliebtesten Radregionen im Ausland.

Fahrradmarkt in Deutschland boomt

In Deutschland erlebt der Fahrradmarkt einen wahren Boom. 2018 wurden über vier Millionen Fahrräder verkauft. Damit konnte der Umsatz um 16 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro gesteigert werden. Einen entscheidenden Anteil an diesem Erfolg haben E-Bikes. Ihr Marktanteil liegt bei 24 Prozent. Nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) bewegen sich 4,5 Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen.

Mit E-Bikes Südtirols Berge erklimmen

Für Südtirol eignen sich E-Bikes ganz besonders gut. Aber auch Mountainbiker, Rennrad- und Trekkingfahrer kommen auf ihre Kosten. Anspruchsvolle Trails finden sich ebenso wie ein hervorragend ausgebautetes Radwegenetz von insgesamt 460 Kilometern.

Hier wird der Mountainbiker zum Gipfelstürmer

Im ganzen Land können Räder geliehen werden. In den Zügen kann man sie mitnehmen und an den Bahnhöfen gibt es sichere Fahrradabstellanlagen. Nach speziell auf Radfahrer ausrichteten Hotels muss man im Internet nicht lange suchen. Es gibt sogar eine Seite, auf der Ladestationen für E-Bikes gelistet sind, sollte einem Radler im bergigen Gelände der Strom ausgehen.

„Versorgungsstation“ für durstige Rennradfahrer

Trotz bester Voraussetzungen scheinen die Einheimischen diesen Enthusiasmus nur bedingt zu teilen. Der Radverkehr sei in Südtirol bislang vor allem auf Freizeit und Sport beschränkt, stellt die Initiative Green Mobility des Landes Südtirol fest, die das Land zur Modellregion für nachhaltige alpine Mobilität machen will. Sie sieht ein großes Potenzial zur Verkehrsverlagerung, gelinge es, das Rad in Kombination mit dem Öffentlichen Nahverkehr als Alltags-Verkehrsmittel zu etablieren.

Mit dem Rad nach Meran

Wir nehmen die Räder und fahren von Rabland die alte Römerstraße Via Claudia Augusta hinunter bis nach Meran. Laut ADFC gehört sie zu den besonders beliebten Routen. In der jährlichen Radreiseanalyse belegt sie schon seit Jahren Platz 2. Unter Kaiser Augustus begonnen, verläuft sie von Venetien über Trient, den Reschenpass, das Oberinntal und den Fernpass bis zum Lech. Kaiser Claudius verlängerte sie bis zur Donau. Der Radweg ist breit und asphaltiert und führt teilweise weit weg von der Straße an der Etsch entlang. Wer nicht mehr mag, kann jederzeit in die Bahn einsteigen. So lässt sich die herrliche Strecke von Mals bis hinunter nach Meran auch von Freizeit-Radlern mühelos bewältigen.

Unser Ziel liegt etwas außerhalb vom Meraner Zentrum im eleganten Stadtteil Obermais. Hier gibt es eine ganze Reihe von Schlössern und Ansitzen, das sind Wohnhäuser des niederen Adels. Am bekanntesten ist Schloss Trauttmansdorff.

Schloss Trauttmansdorff

Sissis Ferienwohnung

Hier wohnte Sissi 1870 während ihres Aufenthaltes in Meran zusammen mit ihren beiden Töchtern Gisela und Marie Valerie. 1889 war sie erneut Gast von Reichsritter Moritz von Leon, der das Schloss 1867 von seinem Vater Joseph von Trauttmansdorff geerbt hatte. Joseph hatte die um 1300 errichtete, im 18. Jahrhundert zerfallene Burg 1847 gekauft und erweitert.

Die Südtiroler Landesverwaltung brachte 1990 das Landesmuseum für Tourismus in Trauttmansdorff unter und legte einen botanischen Garten an.

Nach sieben Jahren Bauzeit wurden die Gärten von Schloss Trauttmansdorff 2001 eröffnet. Bis 2017 hatte die 12 Hektar große, spektakuläre Anlage mehr als sechs Millionen Besucher.

Blick auf die Gärten vom Matteo Thun´scher Gucker

Es lohnt sich zu jeder Jahreszeit, ein paar Stunden in den Gärten einzuplanen. 2005 wurden sie zum schönsten Garten Italiens gekürt, 2013 erhielten sie in Kanada die Auszeichnung „Internationaler Garten des Jahres“. Damit zählen sie zu den schönsten botanischen Gärten der Welt.

Neben zahlreichen exotischen und einheimischen Pflanzen gibt es Gewächshäuser und Themengärten: Waldgärten, Sonnengärten, Wasser- und Terrassengärten sowie Landschaften Südtirols.

Auf Sissis Spuren zurück ins Zentrum

Zurück nach Meran geht es auf dem Sissi-Weg. Für die Kaiserin legten die Meraner Spazierwege rund um das Schloss Trauttmansdorff an. Der Sissi-Weg ist einer davon.

Er führt an Grandhotels und Villen vorbei, die in der Zeit um die Jahrhundertwende entstanden sind.

Das heutige Hotel Bavaria wurde 1885 errichtet. Der Augenarzt Herzog Carl Theodor mietete die Villa für seine Aufenthalte in Meran. Wegen einer chronischen Lungenerkrankung verbrachte er ab 1876 hier die Wintermonate. Theodor war der Lieblingsbruder von Sissi, die ihn hier des Öfteren besuchte.

Den Stadtkern von Meran schon in Sichtweite, kann man wählen, ob man den Weg auf dem linken Passerufer über die Sommerpromenade in die Innenstadt nimmt oder die Passer quert und über die Winterpromendade am rechten Ufer vorbei an der Wandelhalle. Die Sommerpromenade führt durch einen kühlen Wald und endet im Elisabeth-Park. Die Winterpromenade ist sonniger. Auf ihr gelangt man auf die Passerpromenade mit ihren großzügigen Blumenbeeten vor dem Kurhaus und dem Musikpavillon.

Winterpromenade und Postbrücke

Bis 1848 Hauptstadt der Grafschaft Tirol, hat Meran hat heute 40.500 Einwohner und ist die zweitgrößte Stadt Südtirols. Der größten Stadt Bozen – die fahrradfreundlichste Stadt Italiens – werden wir uns im nächsten Beitrag widmen. Dort wird es auch um Stadtplanung gehen.