Samstag, 29.07.

Nach unserem Start am frühen Samstagmorgen um fünf Uhr sind wir schon um 14 Uhr am Fährterminal in Dünkirchen angekommen. Die Autobahnen waren frei und ab Nordrhein-Westfalen ließ auch der teilweise recht starke Regen nach. An der Küste kam sogar blauer Himmel zum Vorschein und die Sonne ließ sich kurzfristig blicken. Bis zur Abfahrt der schon vor Monaten gebuchten Fähre hatten wir viel Zeit. Man hatte uns aufgegeben, uns mindestens 45 Minuten eher einzufinden, in den Sommermonaten sogar 90 Minuten eher. Wir waren überrascht, dass schon so viele Fahrzeuge in Reihen auf Warteposition standen, mehrheitlich Engländer, ein paar Belgier und Niederländer, deutsche Autos konnte man an einer Hand abzählen.

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Zoll und Passkontrolle hatten wir passiert (die britischen Grenzer wollten sogar kurz einen Blick in unseren Kofferraum werfen – wir vermuten, wegen der Flüchtlinge, die besonders vom benachbarten Calais aus als blinde Passagiere nach England zu gelangen versuchen). Wir packten unser mitgebrachtes Picknick aus, um uns die Wartezeit bis zur Abfertigung zu vertreiben. Kaum hatten wir die Gabeln zur Hand und machten uns mit Appetit über das verspätete Mittagessen her, kam Bewegung in die Schlange vor uns: die Autos starten. Wir wollten bloss ein wenig aufrücken, da bewegten wir uns immer näher auf die wartende Fähre zu. Ein Mitarbeiter von DFDS-Seaways wank uns heran. Wir wunderten uns sehr und machten einen weiteren Mitarbeiter, der uns durch ein Tor auf die Fähre winken wollte, darauf aufmerksam, dass wir erst um 16 Uhr gebucht waren. Der Mann bat uns, zunächst neben dem Tor zu warten. Sollte noch Platz sein, sei es kein Problem, bereits die Fähre um 14.30 Uhr zu nehmen. An uns zogen etliche Wagen vorbei, die für diese Fähre gebucht waren. Nach einer Weile bekamen wir ein Zeichen. Wir konnten noch mit! Hocherfreut, etwas eher in England anzukommen und vor allem nicht auf einem öden Parkplatz in Dünkirchen die Zeit totschlagen zu müssen, gesellten wir uns dazu. Es ging alles so schnell, dass wir gar keine Zeit hatten zu realisieren, dass wir schon auf dem Weg nach England waren.

Die Überfahrt verlief ruhig. Auf Deck verspeisten wir in Ruhe den Rest unseres Picknicks. Der Himmel war grau, das Meer leuchtete grünlich mit ein paar Schaumkronen, hin und wieder fielen ein paar Tropfen. Zwei Stunden Überfahrt gingen schnell vorüber. Schon waren die weißen Felsen von Dover in Sicht – leider wenig eindrucksvoll vor grau verhangenem Himmel.

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Dover empfing uns mit dicken Regentropfen. Auf unserem Weg aus der Stadt hinaus passierten wir einen kilometerlangen Stau: eine Unmenge an LKWs und PKWs, die vermutlich alle auf ihrem Weg zur Fähre waren. Ergriff dort alles vor diesem „Hundewetter“ die Flucht?

Da wir bei unserem Bed and Breakfast (B&B) erst 90 Minuten später erwartet wurden, machten wir einen kleinen Schlenker an der Küste entlang. Der erwies sich allerdings als wenig lohnend: es gab kaum eine Gelegenheit, auf das Meer zu schauen und die kleinen Städtchen, die wir passierten, waren auch nicht sonderlich schön. So bogen wir dann bald ins Landesinnere ab und begaben uns in Richtung unseres B&Bs. Der Regen ließ nicht nach, es regnete, wie man in England so schön sagt „Katzen und Hunde“ .

Etwa eine Dreiviertelstunde früher als avisiert erreichten wir Barclays Farmhouse, das uns von unserer ersten Englandreise vor drei Jahren so gut in Erinnerung geblieben war. Im Regen sah die großzügige Kies-Auffahrt vorbei an dem hübschen Teich und dem säuberlich getrimmten Rasenflächen natürlich nur halb so schön aus. Zu unserer Enttäuschung öffnete zunächst niemand die Tür. Erst später stellte sich heraus, dass Lynn, die „Herbergsmutter“ unsere Ankunft und das Klingeln an der Tür gar nicht gehört hatte. Als sie uns bemerkte, hörte sie kaum auf, sich zu entschuldigen, auch für das schreckliche Wetter. Herzlich nahm sie uns auf, ganz so wie gute alte Bekannte. Sie wollte wissen, ob wir eine gute Reise hatten, bemitleidete uns für das frühe Aufstehen und fragte nach, wie es uns in den letzten Jahren ergangen sei. In unserem Zimmer warte ein kleiner Teekocher, im Kühlschrank stand Mineralwasser und natürlich ein Fläschchen frischer Milch für die englische „Cup of Tea“ – herrlich.

Zum Abendessen ging es in das uns schon von unserem letzten Aufenthalt bekannte County Pub, eine Mischung aus rustikalem Gasthaus und Kneipe The Three Chimneys. Das uralte, schiefe Häuschen mit tiefen Decken und alten Holzbalken war genauso, wie wir es damals verlassen hatten.

Anders als auf den ersten Blick zu vermuten, rührt der Name des Pubs nicht von den drei Schornsteinen, die sich auf seinem Dach befinden, sondern geht zurück auf die Zeit des Siebenjährigen Krieges (1756 – 1763). Damals wurden 3.000 französische Soldaten im nahegelegenen Sissinghurst gefangengehalten. Sie durften sich nur bis zu diesem Pub bewegen, das „The Three Wents“ (die drei Wege) genannt wurde. Aus dem Französischen „les trois chemins“ wurde später „The Three Chimneys“. Das Pub selbst ist viel älter. Es wurde um 1420 erbaut und war jahrhundertelang ein einfaches Alehouse. Obwohl erheblich vergrößert, hat es seinen Charakter bis heute bewahrt.

Auch dieses Mal haben wir wieder vorzüglich gespeist: Als Vorspeise mit Käse überbackene Schinken-Sandwiches und eine Hühnerleber-Pastete mit pikantem Chutney – rustikale Landhausküche. Als Hauptgericht wählten wir einen Salat mit Cajun-Hühnchen und Ente mit gebackenen Kartoffeln. Zum Nachtisch freuten wir uns über einen Pflaumen-Apfel-Crumble – ein typisch englischer Nachtisch aus dem Ofen. Das Obst wird mit einer dicken Schicht Streusel überbacken, so wie wir sie von unserem Streuselkuchen kennen. Dazu gab es Vanilleeis.

Müde fielen wir ins Bett und hofften sehr, dass es am folgenden Morgen aufhören würde, mit dem Regen …

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